Abteilung Online-Analyse Gaswarnsystem der Raffinerie
- Branche
- Raffinerie
- Umfang
- rund 500 Gaswarnsensoren
- Anbindung
- OPC
- Betrieb
- kritische Infrastruktur

Ein Wort vorab
Rund 500 Gaswarnsensoren sichern das Gelände einer Raffinerie. Ihre Prüfung lief lange über Excel, E-Mail und Papier. Heute führt ein Tablet durch jede Prüfung, und die Messwerte kommen direkt vom Sensor. Wie wir gemeinsam dahin gekommen sind, erzähle ich Ihnen hier.
Maximilian Hartmann Gründer & Geschäftsführer, flyze.solutions GmbH
01 Das Unternehmen
Wo jeder Sensor ein Stück Sicherheit ist.
Auf dem Raffineriegelände verantwortet die Abteilung Online-Analyse Wartung, Instandhaltung und Funktion des Gaswarnsystems. Rund 500 Sensoren melden austretendes Gas, damit Menschen und Anlagen keinen Schaden nehmen. Und es werden laufend mehr.
Das Gaswarnsystem ist eine Sicherheitsfunktion, ein Teil der Sensoren ist SIL-relevant, und die Raffinerie gehört zur kritischen Infrastruktur. Regelmäßige Prüfungen sind darum Pflicht, und jede einzelne muss sich belegen lassen... aus Sicherheitsgründen ebenso wie aus regulatorischen.
- Sicherheitsfunktion Das Gaswarnsystem schützt Menschen und Anlagen vor austretendem Gas.
- SIL-relevant Ein Teil der Sensoren gehört zu sicherheitsgerichteten Funktionen.
- Kritische Infrastruktur Jede Prüfung muss sich jederzeit nachweisen lassen.
02 Die Herausforderung
Sicherheitskritische Prüfungen zwischen Papier, Excel und Leitwarte.
Jeder Gaswarnsensor wird in festen Abständen geprüft, je nach Sensor alle vier bis zwölf Monate. Dazu gehören eine Sichtprüfung, eine Funktionsprüfung mit Kalibrierung und eine Systemprüfung, bei der die ganze Alarmkette vom Sensor bis zu Hupen und Leuchten getestet wird.
- 500 Gaswarnsensoren auf dem Gelände, und es werden mehr
- 4 bis 12 Monate zwischen zwei Prüfungen eines Sensors
- 3 Prüfarten: Sicht-, Funktions- und Systemprüfung
So lief eine Prüfung bisher
Geplant wurde im Ingenieurbüro der Online-Analyse. Von dort ging jede Prüfung durch vier Stationen, und an jeder wechselten die Daten das Medium.
- Excel-Liste Planung im Ingenieurbüro, Intervalle von Hand fortgeschrieben
- E-Mail oder Zettel Die fälligen Sensoren gehen an die externen Prüfer
- Papierprotokoll Ausdruck, Klemmbrett und Stift, oft im Freien
- Abtippen in Excel Die Protokolle wandern von Hand zurück in die Liste
Jeder Übertrag ist eine mögliche Fehlerquelle.
Ein Prüftag, wie er war
Vor Ort arbeiteten die Prüfer mit Klemmbrett und Stift, oft bei Wind und Wetter und an Sensoren, die nicht immer gut zugänglich sind. Vor jeder Kalibrierung musste der Sensor gebrückt werden, damit das Prüfgas keinen Alarm auslöst: über ein zentrales Panel, mit zusätzlichen Wegen. Manche Sensoren wurden über die Leitwarte angesteuert, abgestimmt per Telefon oder zu zweit.
Kalibrierwerte standen teils nur kurz auf dem Display des Transmitters, manche wurden gar nicht erfasst. Die T90-Zeit, also wie lange ein Sensor bis 90 % des Alarmwerts braucht, maß eine Stoppuhr. Und ob bei der Systemprüfung alle Hupen und Leuchten angesprungen waren, zeigte erst der Blick ins Logsystem.
Als wir den Ablauf gemeinsam aufgenommen haben, war schnell klar, wo die Arbeit wirklich steckte: nicht in der Prüfung selbst, sondern in allem drumherum. Eine Auswertung, welcher Sensor wann geprüft wurde, brauchte einige Tage Vorlauf. Für ein Audit wurden die Nachweise aus Ordnern und Listen zusammengesucht. Und dieser Aufwand wuchs mit jedem neuen Sensor.
Was das im Alltag hieß
- Daten wanderten von Excel über E-Mail und Papier zurück nach Excel, und jeder Übertrag war eine mögliche Fehlerquelle.
- Die Prüfer hatten Gasflasche, Sensor, Display und Notizen gleichzeitig im Blick, und jede Brückung kostete zusätzliche Wege.
- Einen Überblick über den Stand der Prüfungen in Echtzeit gab es nicht, und Auswertungen und Auditnachweise kosteten jedes Mal Tage.
03 Die Entscheidung
Digital bis zum Sensor, ohne den gewohnten Ablauf aufzugeben.
Das Ziel war klar: keine Medienbrüche mehr, mehr und bessere Daten und weniger Ballast für die Prüfer am Sensor. Teile der Prüfung sollten automatisch laufen, Ergebnisse in Echtzeit auswertbar und Audits jederzeit belegbar sein. Und über allem stand: Die Sicherheit hat Vorrang.
Eine klassische Wartungs- oder Instandhaltungssoftware hätte vor allem eines nicht gekonnt: die Verbindung zum Sensor selbst, bis hinein in den Prüfprozess. Dazu kamen besondere Anforderungen an das Reporting. Auch unsere eigene Standardlösung für einfachere Prüfungen im Außenbereich reichte dafür nicht aus.
- Von der Stange Klassische Instandhaltungssoftware Planung und Aufträge, aber keine Verbindung zum Sensor und kein Reporting für diese Prüfungen.
- Unser Weg flyze.platform und eine eigene Prüf-App Die Plattform liefert die Basis, darauf steht der Prüfprozess der Online-Analyse.
- Komplett neu Individualentwicklung Alles von Grund auf, ohne Plattform, Schnittstellen und Bausteine als Basis.
Wie die App entstanden ist
Auf der flyze.platform haben wir deshalb eine eigene Prüf-App gebaut: keine Software von der Stange, aber auch keine Entwicklung bei null. Die Plattform bringt Datenstruktur, Industrieschnittstellen und Bausteine für Planung und Auswertung mit. Darauf haben wir den Prüfprozess der Online-Analyse abgebildet.
Entstanden ist die Lösung Schritt für Schritt, von Anfang an geplant und in enger Abstimmung mit den Prüfern vor Ort und unserem Backoffice geschärft. Dabei ist sie deutlich über den ersten Entwurf hinausgewachsen. Den gewohnten Prüfablauf haben wir bewusst so weit wie möglich erhalten, damit die Menschen am Sensor den Weg mitgehen.
Die Vorgaben aus Richtlinie und Herstellerangaben, also welche Prüfung in welchem Abstand, stecken ebenso im Prozessmodell wie die Dokumentationspflichten der kritischen Infrastruktur.
Keine Komplett-Custom-Lösung, sondern ein sehr guter Mittelweg: eine Plattform als Basis, die Schnittstellen mitbringt und trotzdem so flexibel ist, dass sich der Prozess dort integrieren lässt.
Maximilian Hartmann Gründer & Geschäftsführer, flyze.solutions GmbHflyze.platform und eine eigene Prüf-App
- Datenstruktur
- Industrieschnittstellen
- Bausteine für Planung und Auswertung
- Der Prüfprozess der Online-Analyse
04 Die gewonnenen Vorteile
Geführt prüfen, automatisch planen, lückenlos belegen.
Drei Dinge haben sich für die Online-Analyse grundlegend verändert, und jedes steht auf einem Baustein der flyze.platform.
Geführte Prüfung am Sensor
Die App auf dem Tablet führt durch Sicht-, Funktions- und Systemprüfung und übernimmt die Messwerte per OPC direkt vom Sensor.
Mehr zur mobilen WartungAutomatische Prüfplanung
Prüfintervalle laufen als Serien je Sensor. Fällige Prüfungen landen von selbst bei den Prüfern im Feld.
Mehr zur InstandhaltungZustand und Nachweis auf einen Blick
Vitaldaten, T90-Zeit und SIL-Lebensdauer jedes Sensors sind sichtbar, jede Prüfung ist mit Werten, Prüfer und Zeitpunkt belegt.
Mehr zum Asset Management
05 Das Ergebnis
Vom Klemmbrett zum geführten Prozess am Sensor.
Der Arbeitstag eines Prüfers beginnt heute mit dem Tablet. In der App Außendienst sieht er alle anstehenden Aufgaben, jeden fälligen Sensor mit seiner Prüfart, und legt die Reihenfolge selbst fest.
Ein Prüftag heute
- Am Sensor Der Prüfer wählt das Gerät, vor dem er steht, und beginnt mit der Sichtprüfung. Notizen und Fotos ordnet die App direkt dem Sensor zu.
- Mit freien Händen Für die Kalibrierung hängt er das Tablet in seiner magnetischen Hülle an. Brückung, Kalibrierungsprozedur und Messwerte übernimmt die App.
- Die ganze Alarmkette Bei der Systemprüfung wird der Sensor scharf geschaltet, und die Rückmeldungen von Leuchten und Hupen prüft die App im Hintergrund.
Von Hand bleiben nur die Sichtprüfung und die Rückfrage bei der Feuerwehr, die ein eigenes System nutzt. Alles andere läuft ohne Papier, ohne Übertrag und ohne Umweg über die Leitwarte. Erledigte Aufgaben verschwinden aus der Liste, und am Ende des Tages ist sichtbar, was geschafft ist.

Geführte Kalibrierung mit freien Händen
Früher Kalibrierwerte wurden vom Display des Transmitters abgelesen und von Hand notiert.
Heute Die App startet die Kalibrierungsprozedur über die OPC-Anbindung und erfasst die Werte selbst, auch die Lebensdauer, die der Sensor meldet.
Der Prüfer kümmert sich um Gasflasche und Sensor, und die Daten sind vollständig und lesbar.
Kalibrierung läuft

Werte erfasst

Brückung und Systemprüfung in einer Prozedur
Früher Gebrückt wurde über ein zentrales Panel, manche Schritte liefen in Abstimmung mit der Leitwarte, und ob die Alarmkette funktioniert hatte, zeigte erst das Logsystem.
Heute Der Prüfer setzt die Brückung direkt am Sensor aus der Prozedur heraus, und die App prüft die Rückmeldungen von Leuchten und Hupen.
Das spart Wege und Absprachen, und das Ergebnis der Systemprüfung ist sofort dokumentiert.
Sichtprüfung

T90-Zeit

Alarme prüfen

Prüfplanung als Serie, direkt am Sensor
Früher Intervalle standen in Excel und gingen per E-Mail hinaus.
Heute Prüfintervalle sind angelegt wie Serientermine: gebunden an den einzelnen Sensor, verschiebbar, um außerplanmäßige Prüfungen ergänzbar und nach Anlagenbereichen filterbar.
Die Termine eines Tages erscheinen gebündelt nach Prüfart, etwa „Sicht 9", und lassen sich per Klick aufschlüsseln. Ein neuer Sensor braucht nur sein Intervall, dann landen seine Prüfungen von selbst im Feld.

Sensorzustand und Auditnachweis auf einen Blick
Früher Eine Auswertung brauchte einige Tage Vorlauf.
Heute Vitaldaten und Erreichbarkeit aller Sensoren werden täglich abgefragt, und ein Planungsboard zeigt den Stand jeder Prüfung: offen, in Arbeit, erledigt oder überfällig.
Sensoren, deren SIL-Lebensdauer im nächsten Jahr endet, sind hervorgehoben, berechnet aus Installationsdatum und Herstellerangabe. Meldet ein Sensor eine geringe Restlebensdauer, etwa unter 10 %, lässt sich der Austausch rechtzeitig planen. Jede Prüfung ist mit Messwerten, Prüfer, Zeitpunkt und Dauer belegt, und der Auditnachweis ist einen Klick entfernt.
Planungsboard

Prüfnachweis

06 Sicher angebunden
An die Sicherheitssteuerung angebunden, nicht in sie eingegriffen.
Eine Frage stellt in diesem Umfeld jeder zuerst, und sie ist berechtigt: Greift die App in die Sicherheitstechnik ein? Die Antwort ist nein.
Die Gaswarnsensoren hängen an einer sicherheitsgerichteten Steuerung von HIMA. Über HART und OPC gelangen ihre Daten in das SCADA-System, und genau dort setzt flyze an... nicht an der Steuerung selbst. Gelesen und geschrieben werden nur festgelegte Variablen, abgesichert durch Authentifizierung und weitere Sicherheitsmechanismen.
- Nur festgelegte Variablen werden gelesen und geschrieben.
- Abgesichert durch Authentifizierung und weitere Sicherheitsmechanismen.
- Die Sicherheitsfunktion bleibt vollständig in der Steuerung.
Gaswarnsensor Messwerte, Status, Lebensdauer
Sicherheitssteuerung Die Sicherheitsfunktion bleibt hier
SCADA-System Hier setzt flyze an
flyze.platform Datenstruktur, Planung, Auswertung
Tablet Die App Außendienst am Sensor
07 Das Fazit
Digital, strukturiert, nachvollziehbar.
Die Prüfung der Gaswarnsensoren läuft heute ohne Papier und ohne Übertrag. Die Messwerte kommen direkt vom Sensor, die Planung schreibt sich selbst fort, und jede Prüfung ist belegt. So bleibt die Betriebssicherheit auf gleichbleibend hohem Niveau, mit mehr Transparenz über den Zustand jedes einzelnen Sensors.
- Prüfplan Intervalle als Serie am Sensor
- Aufgabe auf dem Tablet Fällige Prüfungen landen von selbst im Feld
- Messwerte vom Sensor Per OPC, ohne Abschreiben
- Nachweis per Klick Werte, Prüfer, Zeitpunkt und Dauer
Wenn man das Ganze digital und strukturiert macht, dauert der Auditnachweis nicht länger als ein Klick.
Maximilian Hartmann Gründer & Geschäftsführer, flyze.solutions GmbH08 Ausblick und Vision
Eine Datenbasis, die mit dem Gaswarnsystem wächst.
Mit jeder Prüfung wächst die Geschichte jedes Sensors. Weicht einer vom Durchschnitt ab, etwa weil seine Lebensdauer schneller sinkt als bei anderen, lässt sich der Austausch früher planen. Und zeigen Kalibrierungen über lange Zeit kaum Nachjustierung, liefern die Daten eine Grundlage, Prüfintervalle im Rahmen von Richtlinie und Herstellerangaben neu zu bewerten.
Damit liegen die Daten so vor, wie KI-gestützte Auswertungen sie brauchen: digital und strukturiert. Über den MCP-Connector der flyze.platform lassen sich KI-Agenten anbinden, die Muster erkennen und auf Auffälligkeiten hinweisen.
Sensorhistorie
Abweichungen früh erkennen und Prüfintervalle auf Basis der Daten neu bewerten.
KI-Auswertung
KI-Agenten über den MCP-Connector anbinden, die auf Auffälligkeiten hinweisen.
Weitere Anwendungen
Meldetableau, weitere Anlagenteile und die Rückmeldung der Feuerwehr.
Die Basis trägt auch über die Prüfung hinaus. Auf denselben Daten und OPC-Konnektoren ist bereits ein Meldetableau mit einer Live-Ansicht aller Alarme entstanden. Die frei konfigurierbare Asset-Struktur nimmt weitere Anlagenteile auf, von Pumpen über Motoren bis zu Temperatursensoren. Und auch die heute noch telefonische Rückmeldung der Feuerwehr ließe sich künftig digital anbinden.

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